Virtual Clamping

Quantensprung

Mit Virtual Clamping entwickelt GOM eine neue Technologie zum virtuellen Spannen von Kunststoff- und Blechbauteilen.

Durch gängige Formgebungsverfahren wie Spritzguss und Blechumformung entstehen bei den Bauteilen Abweichungen zur Soll-Vorgabe – man spricht von Verzug oder Aufsprung. Um diese Abweichungen beim Messen auszugleichen und die Einbausituation zu simulieren, mussten Bauteile bislang in aufwendige Messvorrichtungen eingespannt werden. GOM kann diesen Messvorgang mit einer neu entwickelten Technologie, dem virtuellen Spannen (Virtual Clamping), künftig stark vereinfachen.

Dr. Jan Thesing verantwortet den Bereich Product Management bei GOM. Er hat Virtual Clamping maßgeblich entwickelt und bereits erfolgreiche Praxistests mit Industriepartnern durchgeführt.

Das Messen mit Spannvorrichtung ist anspruchsvoll und teuer.
Für das Messen von Kunststoff- und Blechbauteilen galt bisher der gleiche Grundsatz: Präzise Messergebnisse erfordern präzise Spannvorrichtungen. Mit den Spannvorrichtungen werden die Bauteile in eine Zwangsposition gebracht. Ziel ist es dabei, die Einbausituation zu simulieren und den Verzug oder Aufsprung auszugleichen, der durch das formgebende Verfahren entstanden ist.

Die Konstruktion und Herstellung solcher Spannvorrichtungen ist teuer, die einzelnen Messvorrichtungen sehr spezifisch und somit nicht flexibel einsetzbar. Hinzu kommt der Bedienereinfluss: Beim händischen Einsatz der Bauteile entstehen Ungenauigkeiten, die sich in den Messdaten zeigen. Zudem fehlen die Messdaten an den Spannstellen.

In Zukunft wird man auf komplizierte Spannvorrichtungen verzichten können, das ist ein revolutionärer Schritt in der Messtechnik.

Dr. Jan Thesing, GOM Product Management.

Das Spannen eines Bauteils wird künftig überflüssig.
Mit dem neuen Modul der GOM Software ist es möglich, vom realen Bauteil im ungespannten Zustand den gespannten Zustand zu errechnen. Das Ergebnis sind Messdaten, die mit dem eingespannten Bauteil exakt vergleichbar sind. Aussagen zum tatsächlichen Verzug oder Aufsprung können zusätzlich getroffen werden, ohne einen weiteren Messvorgang anzuschließen. Eine neue universelle Halterung bietet in Kombination mit einer Gewichtskraftkompensation den entscheidenden Vorteil, dass sogar nicht eigensteife Bauteile unabhängig von der realen Einbaulage gemessen werden können.

Einsatz von Virtual Clamping auch im GOM CT
Kleine Kunststoffteile mit optisch schwer zugänglichen Geometrien werden zunehmend computertomografisch gemessen. Da in dieses Messsystem keine Spannvorrichtung integriert werden kann, leistet das virtuelle Spannen hierbei einen wichtigen Lösungsbeitrag.

In vielen Fällen müssen Blech- oder Spritzgussteile für die dimensionale Bewertung in eine Zwangslage gebracht werden. Virtual Clamping ersetzt diese aufwendigen Spannvorrichtungen.

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